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Helvetica – Sie ist, was man aus
ihr macht

Eine Schrift wird berühmt. Noch dazu eine, der nachgesagt wird, sie sei charakterlos, neutral und gefällig, und die allgegenwärtig ist bis zur Unscheinbarkeit. Ein Anachronismus.

Ist die Helvetica anonym, neutral, charakterlos? Dieses Buch beweist das Gegenteil. Wie aus den hier erstmals veröffentlichten Dokumenten hervorgeht, haben Max Miedinger und Eduard Hoffmann mit visionärer Hingabe eine Schrift geschaffen, deren Gelassenheit und Nor- malität wir heute als Wohltat, die Formen ihrer Lettern als eigenwillige Schönheit empfinden können.

Als ästhetische Konstante hat die Helvetica den Quantensprung vom 1957 gebräuchlichen Bleisatz zur digitalen Textverarbeitung unserer Zeit überdauert. Das spricht für sich.

Vollkommen ist die Helvetica nicht – aber zuverlässig, sicher, praktisch, freundlich und ausgesprochen ordentlich. Für den Alltag entworfen ist sie in der Typografie ein Synonym für ihre Eigenschaften.

Ob für Erscheinungsbilder, Wortmarken, Plakate, Anzeigen oder Bücher verwendet: Die Helvetica ist ein praktisches Werkzeug in der Hand des Gestalters. Sie lässt ihm die Freiheit zur Visualisierung seiner Ideen, ohne sich mit ihrem eigenen Formwillen aufzudrängen.

Seit den Sechzigerjahren entwerfen die besten Grafiker und Typografen in aller Welt hervor-ragende Erzeugnisse mit dieser Schrift. Globale Unternehmen (Lufthansa, BASF, American Airlines, Knoll International) kommunizieren mit ihr in allen erdenklichen Sprachen. Frisöre und Pizzabäcker erfinden archaische Schriftbilder. Diese Durchdringung fasziniert uns noch mehr als die Reichweite ihrer Verbreitung.

Wir nehmen den Erfolg der Helvetica zur Kenntnis. Sie ist eine Sensation des Gewöhnlichen und eine Metapher für


Lars Müller, Victor Malsy
(Helvetica forever Geschichte einer Schrift)