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Eine Schrift, zwei Väter
Als Fachmann konnte Eduard Hoffmann beobachten, dass die Schweizer Typografie in Bewegung geraten war und sich neue gestalterische Tendenzen abzuzeichnen begannen, die in die Zukunft wiesen. Als Unternehmer konnte er zudem erkennen, dass die Groteskschriften hierbei eine zentrale Rolle spielten – oder genauer: dass die Akzidenz-Grotesk der Berliner H. Berthold AG einen Hauptpart spielte. Wäre es nicht möglich, so dürfte sich Hoffmann gefragt haben, einen vergleichbaren Erfolg zu erreichen mit einer eigenen Schrift?

Nach Besprechungen mit «namhaften» Schweizer Grafikern und in Gesprächen mit der unum-gänglichen Werbeabteilung der Chemiefirma J.R. Geigy AG in Basel stand die Richtung bald fest, in die sich die neu zu entwickelnde Schrift bewegen müsse: Sie sollte sich nicht an individuellen Schöpfungen wie einer Erbar, Futura oder Gill orientieren, sondern an vergleichsweise sach-lichen, zurückhaltenden Typen. Neben dem halbfetten Schnitt der Bertholdschen Akzidenz-Grotesk war es die Scheltersche Grotesk9 von 1890, die bei Haas als Französische Grotesk10 erhältlich war, sowie die Normal- Grotesk11 von 1943, die Hoffmann Miedinger zum Vorbild anempfahl.

Noch im Herbst 1956 begann Miedinger unverzüglich mit der Arbeit. Geplant war, mit dem halbfetten Schnitt in 20 Punkt Grösse zu beginnen. Bereits Anfang Oktober sandte Miedinger einen ersten Entwurf der halbfetten Versalien A bis Z an Hoffmann. Dabei handelte es sich – wie damals üblich – um gezeichnete Grossbuchstaben von ungefähr 10 Zentimeter Höhe, die fotografisch auf 20 Punkt verkleinert worden waren. Miedinger wies Hoffmann in seinem Begleitschreiben darauf hin, dass die Schrift «eine Idee kräftiger gehalten» sei als die zu Gebote stehenden Vorbilder.


Axel Langer
(Helvetica forever Geschichte einer Schrift)